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Mythos - Steinobstäste

Enthalten Steinobstzweige Blausäure?


"Die Blätter, Rinden und vor allem die Kerne von Steinobst wie Kirsche, Pflaume, Pfirsich etc. enthalten Amygdalin, das durch enzymatische Aufspaltung zu Blausäure zerfällt!"

Diese Sätze schwirren immer noch vermehrt im Internet herum und werden fleißig von einigen Internetseiten für mongolische Rennmäuse und andere Tieren falsch weiter verbreitet! Stimmt es denn wirklich oder ist es nur wieder einer der vielen Futter-Mythen?


Der Mythos "Steinobstblätter/-zweige sind giftig" entstand durch eine Fehldiagnose einer Tierärztin die die Vergiftungserscheinungen bei einem Chinchilla auf einen Steinobstast zurückführte.  Weder die Zweige noch die Blätter von Steinobst beinhalten Blausäure!

Blausäure ensteht, wenn Amygdalin (ein cyanogenes Glycosid) in Kontakt mit Wasser kommt und dadurch zerfällt. Bei dem Zerfall wird auch Fruchtzucker freigegeben. Weder Steinobstzeige, Steinobstblätter, noch Steinobstfrüchte beinhalten diesen Stoff. Daher darf alles, mit Ausnahme der Kerne,  von Steinobst (Kirsche, Zwetschge, Mirabelle, Apfel, usw.) problemlos verfüttert werden. Lediglich Pappel- und Weidenzweige enthalten in geringen Maßen blausäurehaltige Verbindungen.


„Die Cyanide sind nur in den Samen der Obstkerne enthalten. D.h. die Äste der Steinobstarten dürfen den Chinchillas, Meerschweinchen und Zwergkaninchen angeboten werden, sofern sie nicht gespritzt wurden.“ Frau Dr. Jacqueline Kupper, Universität Zürich: Quelle: ZZA 4/2003 S. 57

„Einem hartnäckigen Gerücht zufolge, das im Internet kursiert, sollen jedoch die Zweige von Steinobstbäumen giftige Blausäure enthalten. Da ich solche Zweige an viele meiner Nager schon verfüttert hatte, unternahm ich damals für meine beiden Hamsterbücher aufwendige Recherchen. Baumschulen und Gärtnereien waren sehr verwundert, weil Kaninchen und andere Nager ihre jungen Obstbäume vielmehr oft mit Begeisterung zernagten, und das ohne die geringste Vergiftung. Dr. Petra Wolf von der Tierärztlichen Hochschule Hannover berichtete mir dann, dass sie im Jahr 1995/96 eine leider unveröffentlichte Studie durchgeführt hat. Es wurden sämtliche einheimischen Kernobstbäume und Laubbäume getestet. Lediglich Pappel- und Weidenzweige enthalten blausäurehaltige Verbindungen, doch im sehr geringen Maß. Eine 2003 an der Universität Zürich durchgeführte Untersuchung kam zu demselben Ergebnis.“ Judy Fox in Chinchillas: Artgerecht halten, pflegen und züchten, 2009, S. 43.


Es sollte mit Steinobstfrüchten nicht übertrieben werden. Sie enthalten Fruchtzucker und können bei übermäßigen Fütterung zu Adipositas der mongolischen Rennmaus führen!