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Mehlwürmer und Blausäure

Mythos oder Wahrheit?


"Mehlwürmer bilden bei ihrer Verdauung Blausäure und sind damit schädlich für mongolische Rennmäuse und andere Tiere wären." 

So oder ähnlich liest man es immer vermehrt im Internet und durch Social Media werden es auch immer mehr! Aber stimmt es wirklich, dass Mehlwürmer Blausäure bilden können?

In Insekten entsteht Cyanwasserstoff ( = Blausäure) nur, wenn diese etwas fressen, was Amygdalin enthält. Amygdalin ist ein Pflanzengift, welches in größeren Mengen in ungekochten Bittermandeln und in Aprikosenkernen zu finden ist.  Aber auch Apfelkernen, Leinsamen und Hirse enthalten es. Erdbeeren, Brombeeren und vielen Andere enthalten das Pflanzengift.

Mehlwürmer in einem Behälter
Mehlwürmer

Gelangt nun das Amygdalin in Verbindung mit den ebenfalls enthaltenen Enzymen in den Verdauungstrakt des Mehlwurms, kommt es dort zu einer Abspaltung von Cyanwasserstoff. Jedoch sind Mehlwürmer gegenüber Blausäure sehr empfindlich. Eine  geringen Mengen an Blausäure führt zum Häutungsstopp und in größeren Mengen zum Tod.

Damit ein Mehlwurm Blausäure produziert, hängt somit von seiner Fütterung ab. Werden die Mehlwürmer mit Aprikosenkerne oder andere blausäurehaltigen Gemüse, Obst, Kerne gefüttert, werden diese Blausäure produzieren.  Anständige Mehlwurmzuchten füttern ihre Tiere meistens mit Haferflocken, Salat, Gurke usw. 

Das Phänomen der Blausäureabspaltung findet bei allen Lebewesen statt, nicht nur bei Mehlwürmern. Für die Versuche wurden aber vor allem Insektenschädlingen genommen, allen voran mit Getreideschädlingen wie der Mehlkäferlarve.

Würde eine Rennmaus solche verseuchten Würmer fressen, würde diese natürlich an dem Gift sterben beziehungsweise unter den Vergiftungserscheinungen leiden. Getrocknete oder lebende Mehlwürmer aus Läden besitzen aber keine Blausäure. Wäre das der Fall, wäre es nicht nur schlecht für die Mehlwürmer, sondern auch für die Einnahmen und das Image der Firmen.


Mehlwürmer für Rennmäuse

Schwarze Rennmaus mit Futter

Für mongolische Rennmäuse ist Eiweiß besonders wichtig. Bekommen Rennmäuse nicht ausreichend Eiweiß, bilden sie Mangelerscheinungen aus. Das Immunsystem nimmt Schaden, wodurch die Rennmaus krank wird.  Das heißt, das Fehlen des Eiweißes kann das Mäuseleben verkürzen. 

Um ihren Eiweißbedarf zu decken, fressen Rennmäuse in freier Natur hauptsächlich Insekten. Daher sollte der Speiseplan damit ergänz werde. Mehlwürmer und andere Futterinsekten werden Rennmäusen mehrmals wöchentlich angeboten. Fettleibige Rennmäuse müssen nicht darauf verzichten und bekommen tierisches Eiweiß nur ab und zu mal zum Hauptfutter.


Eigene Mehlwurmzucht

Eine 100%ige Sicherheit gibt es aber nur, wenn man Mehlwürmer für seine mongolischen Rennmäuse selber züchtet. Hierfür müssen aber mehrere Faktoren eingehalten werden. Und auch wenn es nur Insekten sind, müssen diese artgerecht gehalten werden. 

Zur Unterbringung von Mehlwürmern eignen sich hervorragend Glas- Kunststoffkisten mit den Maßen 40x40x30cm. Diese müssen nach oben nicht geschlossen sein, da die Mehlwürmer keinen glatten Wände hinaufkriechen können. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann ein Netz über das Gefäß spannen. Es sollte darauf geachtet werden, dass eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet wird, da sich sonst Feuchtigkeit in dem Behälter bilden kann, welche sich negativ auf die Vitalität der Würmer auswirken kann und im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung führt Wärmequellen erforderlich.

Mehlwürmer Zuchtbehälter mit Futter
Mehlwürmer Zuchtbehälter mit Futter

Als Substrat eignet sich Semmelbrösel, Weizenschrot, Haferflocken und Mehl, oder auch Weizenkleie, Maismehl, Reismehl, Hartweizengries, Parniermehl, Semmelbrösel, Weizenschrot und ein wenig Sand zusammengemischt auf 3 Stapelboxen verteilt. Zusätzlich kann man Holzspäne/Holzmehl untermischen. Das Substrat sollte ca. 3 – 4 cm tief sein.

Das Nassfutter (Gurke usw.) sollte mit der weichen Seiten zum Boden liegen, damit die Würmer sich von unten nach oben fressen können. Mit der Feuchtnahrung nicht übertreiben, sonst fängt es an zu stinken und schimmeln! Etwas Bierhefe kann man zum Feuchteausgleich ebenfalls hinzufügen.

Weitere Faktoren sind:

  • Licht: Standort Keller, entfernt von Küche und Vorräten
  • Embryonalentwicklung: 18-35° C; optimal: 25-27° C bei 65% relative Feuchte.
  • Luftfeuchte: 10-100% relative Feuchte
  • Entwicklungsdauer: 5 – 6 Monate bei 27°C. In ungeheizten Räumen ca. 1 Jahr.
  • optimale Entwicklung: 25-27° C und  65% relative Feuchte